Warum wieder Kassetten?

Hinweis: den Text schrieb ich vor einiger Zeit. Mittlerweile habe ich etwas mehr Erfahrungen gesammelt. Ich werde ihn partiell ändern oder ergänzen, wo ich es für sinnvoll erachte bzw. Fehler korrigieren.

Derzeit wird ja wieder das Comeback der Compact Cassette als neuer Hype durchs globale Dorf getrieben, wie die Retro-Computer-Welle und Vinyl, es gibt neue Technik für die auf Kickstarter das große Geld eingetrieben wird (mehr dazu vielleicht später), NOS Bänder aus den 80/90er erreichen Mondpreise auf Ebay (Tip: eher hier kaufen), für manche Kassettendecks legt man den Wert eines kleinen Kleinwagens mal locker auf den Tisch…

… und dann hat man ein Medium, was nach heutigen Maßstäben weder kompakt, noch klanglich ansprechend (wir erinnern uns alle an die dumpf klingenden, verrauschten Tapes im Auto), noch einigermaßen einfach zu benutzen ist. Trotzdem hat die Musik-Kassette für mich eine wiedergewonnene Faszination über die allzu präsenten digitalen Medien.

Ich habe nichts gegen digitale Medien und digitales Audio im allgemeinen und speziellen, im Gegenteil: der größte Teil meiner Musiksammlung befindet sich digital. Sei es von CDs gerippt, gekaufte oder (ahem) anderweitig bezogene Musik. Das meisste als Lossless FLAC, gut geordnet, soritert und katalogisiert auf meinem Server, abspielbereit im heimischen Netz oder auch teilweise in Google Music oder iTunes. Spotify hatte ich auch eine Zeitlang, ist aber nicht so meins. Zum einen mag ich keine Abos oder Laufzeitverträge, zum andern gehört mir die Musik irgendwie nicht richtig. Ich möchte Musik gerne „besitzen“. Klar, in iTunes habe ich auch nur die Daten, aber die kann ich mir dort noch irgendwo runterziehen und wegspeichern (oder auf Kassette überspielen). Das für und wieder digitaler Musik ist aber nicht der Sinn dieses Beitrages. Funktioniert alles, klanglich sehr gut, wenn über eine entsprechende Kette wiedergegeben. Keine Frage! Aber warum dann neben dem Plattenspieler wieder Kassetten? Und diese müssen ja erstmal besorgt, bespielt, gespult, eingemessen, die Decks entstaubt, repariert, angeschlossen und was-weiß-ich-noch-werden, leiern dann beim abspielen, und, glaubt man manchen:

Man konnte dann das Magnetband selbst bespielen, nicht zu oft allerdings, denn nach drei- oder viermaligem Überspielen hörte man einen Brei der dumpfesten Sorte.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/kassette-revival-madonna-mark-ronson-1.4573369

Nun ja lassen wir letztere Aussage mal im Raum stehen. Da wir gleich dieses Jahr auch noch 40 Jahre Walkman zu feiern hatten, glänzten manche Journalisten auch da mit falschen Aussagen und irgendwie Null Ahnung von dem ganzen. Aber so ist das eben, andere Leute hypen auch einen Bluetooth 5.0 Kassettenrecorder mit billigstem Laufwerk in MONO. Gut, dass passt ja dann auch super zu den ganzen Boomboxen, die auch nur MONO wiedergeben.

Hören wir mit dem RANT auf und beschäftigen uns wieder mit der Frage nach dem „Warum?“

Ganz einfach lässt es sich wohl (für mich) nicht beantworten. Oder doch? Weil es Spaß macht?

Ja, genau. Schlussendlich muss es Spaß machen. Sinn macht es augenscheinlich keinen, genauso wenig wie Oldtimer (mehr reparieren als fahren), Chilis anbauen (kann man ja auch schon fertig kaufen) oder Unterbuxen besticken. Sinn macht in unserem Leben wenig, aber Spaß macht es. Zumindest für mich (und andere).

Technischer Aspekt

Technik

Die Kassette / Tape / MC ist ein analoges Medium zur elektromagnetischen Musikspeicherung mit bestimmten physikalischen Besonderheiten (und Einschränkungen), die man im Hinterkopf behalten sollte. Wer eine rauschfreie, Highres 24bit 192/khz Aufnahme mit 128dB SNR sucht, ist hier falsch. Genauso wie eine Langspielplatte akustischen und physikalischen Einschränkungen unterworfen ist, gilt das auch in ähnlichem Maße für eine Kassette. Ich möchte hier keine wissenschaftliche Abhandlung über das ganze geben, das findet man zur Genüge im Netz. Einfach mal suchen…

Digitale Medien bieten im Regelfall eine deutlich bessere Wiedergabe- und Aufnahemqualität als analoge Medien, da kann man sich natürlich vieles schönreden und auch viel Geld in eine analoge Kette versenken (auch in eine digitale, wohlgemerkt. Schlangenöl gibs auch für Bits und Bytes). Technisch gesehen eindeutig ist das digitale auf dem Papier überlegen, aber musikalisch? Und hier kommen wir in das, was jeder für sich selbst entdecken muss. Analog ist unperfekt. Punkt.

Aber genau dieses „unperfekte“ macht doch den Reiz aus. Die bestmögliche Aufnahme zu machen. Das letzte bisschen aus den Tapes zu kitzeln. Ein noch tolleres Deck zu erstehen, sich mit anderen austauschen oder mal immer wieder was neues zu erfahren. Sich hinzusetzen, eine Aufnahme bestmöglich vorzubereiten, und das Ergebnis dann zu hören um festzustellen, dass in der Mitte das Band zerknittert war und man das ganze in die Tonne treten kann. Oder man freut sich am tollen Sound, den man da aufs Band gezaubert hat

Aufnahme

Ein Satz den ich hier immer wieder höre ist: Make the best recording on your best deck, and playback sounds amazing on all decks.

Für eine gute Aufnahme brauchen wir im wesentlichen 3 Komponenten: eine gute Wiedergabequelle, ein gutes Aufnahmegerät und eine gute Kassette. Und dann ist man überrascht, wie gut eine Kassette klingen kann.

Wiedergabequelle

Früher, da habe ich vom rauschenden Radio auf einem tragbaren kassettenrekorder auf ein abgenudeltes Band aufgenommen und mich weder am dumpfen Klang noch am rauschen gestört. Wir hatten ja nüscht anderes. Ich weiss noch wie ich meine ersten Aufnahmen auf so einen alten Monorecorder von unserem Schwarz/Weiss Fernseher per eingebautem Mikro machte. Oder die zum 5. mal kopierte Helloween-Kassette nochmal kopierte. Auf dem alten Walkman hörte es sich eh gut an, Hauptsache der Bass war auf Anschlag gedreht…

Also, die heutige Wiedergabequelle ist im Regelfall digital, wir nehmen mal an, dass es keine 96Kbit MP3 ist sondern ein paar bits mehr. Natürlich auch gerne per Stream, solange da keiner über das Wlan-Kabel stolpert. Idealerweise über einen guten DAC dem Deck zugespielt, idealerweise mit einem ausreichenden Pegel (was das Klinkekabel vom Handy schon mal ausschliesst, zumindest hier habe ich immer zu wenig Pegel und ggf. bei hoher Lautstärke schon hörbare Verzerrungen). Hier muss man dann auch ggf. eine höheren Aufnahmepegel fahren, was zu mehr Band- und Hintergrundrauschen führen kann.

Ich kann hier eigentlich nur meine „normale“ Aufnahmekette beschreiben, beispielhaft. Andere Lösungen mögen genauso gut oder besser funktionieren. Da muss jeder sein eigenes Patentrezept finden

  • Ausgangsmaterial: FLAC / AAC / MP3 (wirklich sehr wenig, ich schwör) in CD-Qualität (oder besser). Oder CD
    • Aufnahmen vom Plattenspieler mache ich seltenst, mein aktueller Plattenspieler spielt zwar gut, aber irgendwie bekomme ich keine knacks- und knisterfreien Aufnahmen hin…
  • Wiedergabegerät ist ein OpenElec HTPC mit einer dedizierten Soundkarte Asus Xonar Essence STX (ich denke die ist schon ganz vernünftig), die das Signal analog per RCA in den Preamp (Kenwood C2) speist.
    • der Thorens Philipps hängt auch am C2. Da ich aber wenig vom Plattenspieler aufnehme, lass ich das mal aussen vor. unterscheidet sich eh nicht vom Ablauf
  • von dort per RCA-Out in Tape1 (Kenwood KX7060s) oder Tape2 (Sony TC-K415)

Aufnahmegerät(e)

Eigentlich ist es ganz einfach: das beste Deck und die beste Kassette für die Aufnahme nutzen. Nun hat nicht jeder ein High-End 3 Kopf Deck mit Hinterbandkontrolle, BIAS-Automatik, Azimuth, Bandsortenwähler, Vormagnetisierung, IEC, Dolby S etc. Oder gar ein Dragon sowie einen unbegrenzten Vorrat an Type IV Tapes zu Hause rumliegen

Aber man sollte idealerweise schon etwas von der ganzen Technik nutzen, je mehr (und sinnvoll und richtig) um so besser die Aufnahme. Selbst mit einem guten 70er Jahre Deck sind beeindruckende Aufnahmen möglich… aber das beste Tape klingt auf dem It’s OK Ding sche***e. Wird so sein.

OK, über das überteuerte Plastikteil könnte ich mich den ganzen Tag aufregen, lassen wir es also und schauen uns meine beiden (derzeit aktuellen) Aufnahmegeräte an:

das Kenwood KX7060S

  • 3 Kopf-Deck
  • Dolby B/C/S/HX Pro
  • automatische Einmessautomatik ATCS
  • Dual-Kapstan
  • usw. gerne nachzulesen im Link oben

Das Sony TC-K415

  • 3 Kopf-Deck
  • Dolby B/C/HX Pro
  • manuelle BIAS und level Einstellung mittels Testton
  • usw. gerne nachzulesen im Link oben

zwischendurch hatte ich noch ein Technics RS-BX707 im Einsatz

  • 3 Kopf-Deck
  • Dolby B/C/HX Pro
  • manuelle BIAS und level Einstellung mittels Testton
  • usw. gerne nachzulesen im Link oben
  • überraschend toller Sound!
  • leider irreparabel defekt nach 2 Tagen

Ich bin mir derzeit etwas unsicher, welches Deck die besseren Aufnahmen macht. Das Sony macht klanglich tolle Aufnahmen, hat aber teilweise ein deutlich zu hörendes Laiern – trotz neuen Riemen, Schmieren, reinigen und einstellen nicht so ganz wegzubekommen. Ich tendiere zum Kenwood, aber das ist eher und wirklich Geschmackssache. Wenn man jetzt nicht wie ich mehr als 5 Decks zur Auswahl hat stellt sich die Frage nicht.

Das Problem ist: mittlerweile habe ich mehr als 5 Decks, siehe unten. Aber das Kenwood macht einfach die besten Aufnahmen und kommt auch mit jedem Band bis jetzt gut klar. Das NAk bspw. mag manche NASF Chrome Bänder zum Aufnahmen nicht

Grundlegendes zu Thema Aufnahme findet man hier im dem Video von Cassettecomeback.com – unten habe ich dann noch meine Erfahrungen aufgeführt

Also da haben wir ein Top Deck, können alles einpegeln und kalibrieren mit den Knöppen am Gerät, das Highres FLAc mit dem Über-DAC und einem Kabel, das im Himalaja per Hand geflochten und geschmiedet wurde, angeschlossen, Den Capstan mit Snake-Oil behandelt und dann nehmen wir das gute alte Orwo-Tape Type ZERO von anno dunnemal aus dem VEB Plaschte und Elaschte Zschkopau, bei dem das Band so aussieht wie Schmirgelpapier und aus dem dann noch so Zeugs rausrieselt. Ich wette eine Kiste Bier, die Aufnahme wird nicht so wie erwartet.

Hier also Punkt 3: Die Kassette

wie unter „jagen und Sammeln“ schon beschrieben: Früher, zu Kaisers Zeiten, ging ich in ein Geschäft und kaufte mir die präferrierte Kassette meiner Wahl (meines Geldbeutels, des Aussehens oder weil alle Kumpels nur auf diese Marke schwörten).

Ich möchte und kann hier nicht zu einzelnen Tapes Empfehlungen geben, dazu fehlt mir selber die Erfahrung und zum anderen sind die Ergebnisse bei jedem anders (oder können anders sein). Generell kann ich hier folgendes raten:

  • die ältesten abgenudelsten Bänder werden auf Teufel komm raus keine tollen Aufnahmen machen. ist so. Bändern nutzen sich ab, zwar nicht so stark wie einhgangs der Kluke Journalist behauptet aber werden mit der zeit nicht besser. Lagerung, Alter, Nutzungshäufigkeit etc. spielen da rein.
  • Nicht alles was Retro ist, ist auch gleich super-duper. Ich habe auf einigen BASF Ferro aus den 70er tolle Aufnahmen gemacht, andere konnte ich in die Tonne treten. Die „Hochzeit“ der Bänder im technischen Sinne war so Mitte der 80er bis 90er. Bekannte Marken sind eher besser als anderes unbekannte. Aber da gibs auch Überraschungen, siehe mal wieder Cassettecomeback (der lohnt sich echt)
    • nicht jeder Hersteller hat halt alles selber produziert, vieles wurde zugekauft und umgelabelt. Funktioniert woanders ja auch ganz gut, also warum nicht bei Kassetten?
  • manche Bänder harmonisieren mit Decks besser als andere. Muss man einfach mal austesten. Hier gibt es keine pauschalen Empfehlungen. man ist halt heute auch gezwungen zu nehmen was man bekommt (oder hat die Kohle übrig zu kaufen was man kriegen kann)
  • Type I für Pop & Rock, Type II für Classic und Jazz und TYPE IV für ??? irgendwie hört man das immer wieder. Mag so sein, oder auch nicht
    • auch hier gilt: testen was man mag und wie es klingt.
    • Bei den Preisen für TYPE IV sollte man sich halt so die Sahnestückchen rauspicken die man aufnehmen möchte. Das besondere halt.
  • Die Bänder manuell inspizieren. Passiert mir immer wieder, ich nehme was auf, und merke dann später dass das Band beschädigt ist. Schade, aber passiert.
    • Ok das Band ist also für die Tonne: im Idealfall Kassette auseinanderbauen, Band wegschmeissen, Rest aufbewahren (Wenns was halbwegs vernünftiges ist). Ich hebe auch immer die Rollen auf bzw. baue mir eine Kassette ohne band auf der Rolle. Perfekt zum reinigen / Einstellen im laufenden Betrieb!
    • man kann immer wieder eine andere Kassette reparieren (oder Bandtransplantation machen). Mit Bandreparatur habe ich wenig Erfahrungen, aber das ist wohl auch so ein halbgares ding
  • Das mit den ORWO-Tapes am Anfang war kein Witz. Entweder gleich Tonne oder schauen ob man die noch für die Datasette nutzen kann
    • OK, nun mit etwas mehr ORWO Bändern Erfahrung: die Chrome-Tapes waren gar nicht mal so schlecht. Aber bekomme die mal noch…
  • BIAS / Vormagnetisierung einstellen: Das ist wohl neben dem Pegel so der heilige Gral des Aufnehmens. An sich kein Hexenwerk, wenn man so ungefähr weiss wie es geht und das benötigte Werkzeug (Einstellungen am Deck hat). Grob gesagt pegelt man hier den Hochtonanteil passend auf das Band ein. Eine sehr schöne Erklärung findet man hier… Klingen die Aufnahmen zu dumpf oder zu „spitz“ kann das am falschen bzw. nicht auf das Band abgestimmten BIAS liegen.
  • Am einfachsten geht es natürlich per Automatik. Band etwas vorspulen (ich nehme nicht immer die Stelle gleich am Anfang, die kann schonmal gelitten haben) und Knöppsche drücken. Warten bis sich das Deck eingepegelt hat, zurückspulen (wenn das Deck es nicht selber macht) und Aufnahme starten. Voila!
    • ich bin eigentlich eher ein Freund des manuellen einpegelns, muss aber gestehen, dass das ATCS am Kenwood KX7060s sehr gut arbeitet.
  • Super ist auch eine BIAS-Einstellung mit Testton und Anzeige, was viele hochwertigere Decks bieten. Dazu einfach in der BDA schauen wie es genau geht und einregeln. ich lasse es immer beim Optimum noch etwas laufen, um zusehen ob das Band stabil ist. Dann wie oben einfach weiterverfahren
  • Dann gibt es auch BIAS-Regelung ohne Testton und Anzeige, mein KX 880HX läßt grüßen
    • hier muss man manuell testen, aufnehmen, vergleichen und sich so an das Ergebnis rantasten. Aber hey, das ist ja was den … oh nun ja auch nicht so ganz Spaßig
  • Mindestens sollte man aber den Bandtyp und die IEC Equalisierungskurve einstellen können. Im Idealfall so wie auf dem Band angegeben. man kann aber auch mal experimentieren – und da verweise ich auf Cassettecomeback.com, der da einige ganz interessante Ergebnisse zu Tage bringt
  • Wenn man manuell BIAS / Level einstellen kann, sollte man sich das einfach mal in einer Tabelle notieren.
    • das ist natürlich immer sehr individuell und lässt sich nur bedingt auf andere Decks übertragen, aber man muss nicht immer von vorne neu einregeln und hat zum anderen einen Ansatz, wie das band so ist
    • Ich habe es für das KX880HX gemacht, trage jetzt aber die Werte vom TC-K415 ein. Es passt so ungefähr
BIAS Tabelle, beispielhaft
BIAS Tabelle, beispielhaft. Zugegeben, ich habe sie nicht weiter gepflegt, da ich nicht auf dem KX880HX mehr aufnehme.
  • Manche Bänder (vor allem TYPE I) können „hot“ aufgenommen werden. Also den Aufnahmelevel über 0dB fahren. So +4 oder noch höher. Chrome-Tapes (Type II) gehen schnell in die Bandsättigung und können leichter verzerren, hier also weniger. Hier einfach mal testen, was das Band hergibt.
    • man muss es dann gut und intensiv abhören, am besten über Kopfhöhrer. Verzerrt es hörbar, dann eben weniger level
    • je weniger Aufnahmelevel man aber dem Band gibt, umso weniger zusätzliches Rauschen (durch interne Verstärkung des Signals) werden aufgenommen. Gerade mit einer guten digitalen Quelle ohne bzw. mit äusserst geringem Eigenrauschen ist das natürlich nicht zu verachten
  • Das Eigenrauschen auf einer Kassette ist immer irgendwie da. Hört mal die Kassette „blank“ an. Leer. Genau das Rauschen im Hintergrund. das wird auch auf der Aufnahme da sein, vielleicht dank Dolby & Co nicht so stark aber es ist da. Damit muss man leben – das macht auch einen Teil des Sounds der Kassette aus.
  • Dolby: das ist so ein Thema. ich nehme im Prinzip immer mit Dolby B auf, da es am kompatibelsten ist und eigentlich (mit der rauscharmen Wiedergabequelle) zu ordentlichen Ergebnissen führt.
    • Dolby C / S muss das Wiedergabegerät natürlich unterstützen, ohne klingts komisch. Dolby B ohne geht noch, die Höhen werden dann etwas betonter.
    • Manche Bänder können auch besser ohne Dolby als mit aufgenommen werden. Gerade so die Type Zero, wenn man denn welche hat, klingen ohne Dolby besser. Hierzu einfach mal die Videos von Cassettecomback anschauen, der hat da eine ganze Ecke durchgetestet
    • Er nimmt auch eher ohne Dolby auf….
    • … muss jeder selber testen. Teilweise ist das (Grund)Rauschen dann ohne doch etwas viel.
  • Hinterbandkontrolle ist gut, abhören auf (einem anderen) Deck ist besser. Ich nutze das NAK als aktuell präferiertes Wiedergabegerät, und das entlarvt schlechte Aufnahmen. ich schwör.
    • ne im Ernst: wenn euch das Aufgenommene zusagt dann habt ihr alles richtig gemacht. Es wird keine 1:1 Kopie oder „better than original“ sein können! Vielleicht ist der „Sound“ ansprechender, aber ganz ehrlich, wer absolute Kopien sucht, ist bei Kassetten etwas falsch. Es ist eine Annäherung und „kann“ „besser / angenehmer“ klingen, aber es wird nicht 1:1 sein können. Darum gehts aber. So nah wie möglich dran, ggf. noch etwas „sounding“ dazu und schon macht es Spaß.
    • Analytisch abhören ist etwas fürs Studio. Zu Hause soll die Musik gut zu hören sein und Spaß machen.
  • Noch eins: Die Kassettenköpfe regelmäßig reinigen. Ein Q-Tip mit 97% Alkohol (Brennspiritus) erledigt diese Aufgabe brilliant. Nicht unbedingt jede Woche, aber einmal oder so im Monat, je nach Nutzung.
    • Kennt ihr noch die reinigunsbänder? Böse Zungen behaupten ja, dass man da ja direkt die Tonköpfe mit Sandpapier abschmirgeln kann

Wer sich noch etwas intensiver damit beschäftigen will: http://new-hifi-classic.de/wiki/index.php?title=Anleitung:_Tapedeck_Einstellung_und_Abgleich

womit wir auch so leicht zu Punkt 2 überleiten können:

Jagen und Sammeln

Wenn man damit mal warm geworden ist, kommt zwangsläufig die Frage: wo bekommt man a) leere, ungammlige Kassetten her und b) noch mehr Tapedecks…

Tapedecks

Eigentlich ganz einfach. man bekommt heutzutage ganz wenig neue Tapedecks, dafür aber richtig viele alte. Schaut man sich mal auf Ebay oder Kleinanzeigen um, so wird man regelrecht überschwemmt an Angeboten.

Es gibt eigentlich nur ein paar Empfehlungen, die ich geben kann (und die sich in erster Linie an Neu- oder Wiedereinsteiger richten)

  • kauft ein funktionierendes Deck. kein teildefektes, kein „Vorspulen geht nicht so richtig“, „macht Bandsalat“, „als ich es vor 20 jahren eingelagert hatte gings noch einwandfrei“ etc. Die Chancen stehen hoch, dass irgendwas defekt ist und man es am Anfang noch nicht wieder reparieren kann. Kauft ihr es privat, lasst es euch vorführen bzw. testet es selbst. Irgendeine Kassette und Kopfhöhrer reichen schon zum testen. Oder kauft von einem Händler mit Garantie. Aber nichts das irgendwie ein vermeintliches Schnäppchen ist, das der Fahmann schon wieder hinbekommt, der Verkäufer als Laie aber nicht.
  • so schön die 70er Jahre Modelle sind mit ihren massiven Alufronten, Knöpfen wie auf der Queen Victoria und schicken VU-Metern: die Decks waren technisch ausgereifter in den 90ern. Und im Regelfall waren sie auch besser ausgestattet.
  • kauft kein Doppelkassettendeck oder eins mit Auto-Reverse. Bzw. ein Doppelkassettendeck mit Auto-Reverse. Ja, High-Speed-Dubbing braucht heute keiner und die Azimuthproblematik bei Auto-Reverse ist nicht von der Hand zu weisen.
    • ich habe mir gerade en Dooppeltape-Deck gekauft. Zum Abspielen
  • Kauft ein Markengerät. Muss kein Nakamichi für den Anfang sein, aber ein Sony, Kenwood, Pioneer, Aiwa, Denon etc. ist im Regelfall fein
  • Schaut nach einem hochwertigeren Deck aus: ideal wären 3 . Köpfe (Löschen, Aufnahme, Abspielen zur Hinterbandkontrolle während der Aufnahme), BIAS-Einstellung (Automatik oder manuell), Dolby B/C/HX pro, manuelle Aussteuerung
  • Full-size, wenn möglich. Auch bei Einzelteilen von Anlagen (gerade so Kompaktanlagen) vorsichtig sein, diese haben ggf. prorietäre Anschlüsse oder Zentraldisplays, die dann nur eingeschränkt nutzbar sind (also RCA in/Out & Strom sollten vorhanden sein zumindest)
  • vorher mal im Netz informieren. Für mich eine wichtige Anlaufstelle ist immer https://www.hifiengine.com/ Dort findet man auch (nach Registrierung) Bedienungsanleitungen und Service Manuals zum Download. Auch nach womöglichen Problemchen schauen
  • scheut euch nicht davor, selber Hand anzulegen und mal Riemen zu tauschen oder eine Reparatur. ist alles keine Raketenwissenschaft an sich und macht Spaß
    • ich schaue mir bei neu erworbene Geräten immer das innere an: verdächtige Kondensatoren, Dreck, etc. Entstauben, Reinigen vor der Inbetriebnahme hat noch keinem geschadet. Mal die Nase drüber halten: riecht es verkokelt? Tonköpfe und Capstan mal mit Alkohol reinigen, da ist manchmal ein Schmodder dran
  • Preisbereich für den Anfang sollten zwischen 50 – 100€ sein. Dafür bekommt man schon etwas vernünftiges. Gerade in den einschlägigen Plattformen wie Ebay. Lasst euch nicht von „rar“ usw. beeinflussen, Rar ist sowas aber nicht 99% der Decks die angeboten werden.

Zwischen 50€ – 100€ bekommt man auf den einschlägigen Marktplätzen, teilweise sogar direkt von Händlern (und dann im Idealfall gewartet und mit Garantie), schon vernünftige 3Head Decks mit entsprechender Ausstattung. Ich würde für das erste Deck wie gesagt nicht nach einem Doppeltape, älterem 2-Kopf oder Autoreverse schauen. Kann man sich später für die Sammlung ja gerne noch kaufen.

OK. da hat man dann also sein erstes (oder wieder ein) Tapedeck und nimmt die ersten Kassetten auf, noch nicht perfekt, aber dann kommt es wieder, dieser Spaß an Kassetten. Oder am Kaufen von Decks

Übrigens: mein erstes Deck hatte ich mir Anfang des Jahres eher zufällig wieder gekauft. Dann kaufte ich mir ein defektes Sony TC188SD (Mechanik defekt und es kam kein Ton raus), dann das Technics M7 (aber eigentlich nur wegen der Optik passend zum Kenwood Reciever), danach erstand ich das Technics RS-E10 für 4€ (und merkte erstmal wie gut man eben doch mit besserer Technik aufnehmen konnte). Kurz darauf kaufte ich ein Kenwood KX7060s für 25€ (EDIT: doch, heute morgen) – und noch ein gang höher schalten bei den Aufnahmen. Ein Preamp musste her, der passende Tuner (obwohl ich sonst meine Lieblingssender nur über Internetradio höre). Passend dazu das Kenwood KX880HX – wegen der Optik und dem manuellen BIAS. Kurz darauf ein defektes aber reparables Sony TC-K415 erstanden und wie es der Zufall so wollte den Schnapp überhaupt für ein Nakamichi BX 125E. Und Anfang dieser Woche wollte ich mir ein Doppelkassettendeck mit Auto-Reverse (ich habe euch davor gewarnt) für 10€ in Halle kaufen, leider ist es defekt. Habe ich dann kostenlos bekommen, vll. kann man davon noch ein paar Ersatzeile wiederverwenden.

jetzt ist aber langsam mal genug… nicht wirklich

Walkman

ja so ein schöner Sony oder Aiwa wäre doch was, gelle? So hip durch die Stadt schlendern, lässig das Kopfhörerkabel um den Finger wickeln, Yeah baby YEHA.

ich habe mir einen Aiwa gekauft im Mai oder so. Er leiert schrecklich, der original Akku ist hin, mit so einer AA-batterie hält er keine ganze Kassette und wenn man ihn umdreht, spielt er langsamer. gut für 15€ kein Verlust, aber da hole ich mir lieber ein MD-Walkman.

Andererseits: so ein schöner SONY Walkman in gutem Zustand. Welche Bank muss ich dafür überfallen? Habt ihr mal die Preise gesehen? Vergesst es…

… oder ich kaufen mir so einen World First Bluetooth 5.0 Cassette Player in MONO. Für 75 Teuro oder mehr, mit einem TYPE Zero Band. in Rosa! Was wollen die Herren mit der Zwangsjacke da von mir????

UPDATE: mittlerweile habe ich mir einen Panasonic Walkman zugelegt, der nach einem Riementausch wieder ganz gut läuft.

Tapes

Klar, mit einem Deck kann man noch wenig anfangen, wenn man keine Kassetten hat. Ok, vielleicht findet man noch im Keller oder anderswo seine alten benjamin Blümchen oder 90er Blümchen-Technopop Kassetten, aber im Regelfall will man ja Musik neu Aufnehmen. Jetzt geht man also zum nächsten Unterhaltungselektronikmarkt und wird von irgendwelchen jungen Millenials-Verkäufern dumm angeschaut, die gar nicht wissen was eine Musikkassette ist und erstmal im Computer nachschauen müssen, um einen dann zu sagen, dass man schon seit 2009 keine Kassetten mehr führt wegen mangelnder Nachfrage. Oder, wenn man Glück hat, bekommt man noch die Maxell UR – bezahlt aber nicht zuviel, die gibs schon ab 10€ für den 5er Pack. Die könnt ihr aber kaufen erstmal.

Es gibt noch ein paar andere Tapes, die man Neu online beziehen kann, es werden wohl auch neue Produktionslinien aufgelegt, aber im Regelfall bleiben euch 2 Möglichkeiten, um an gutes Bandfutter zu kommen

  • Auf Ebay, Kleinanzeigen oder in spezialisierten Shop wie https://www.cassettecomeback.com/ NOS (New Old Stock) Tapes zu kaufen. Gerade aber bei Ebay werden teilweise Mondpreise verlangt, da gilt es Augen auf beim Eierkauf. Als Richtwert sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass man eine Maxell UR halt schon für 2€ bekommen kann. Klar sind viele Bänder besser, aber für den Anfang eher schauen dass man sich nicht die Katze im Sack kauft. gerade wenn die Tapes nicht richtig gelagert worden sind, können die Bänder schon problematisch sein. Hatte ich einmal, 4 TDK im Pack eingeschweisst und die Bänder waren alle verottet – das nimmt dir auch keiner zurück.
    • Chromtapes und Metal-Tapes (Type II und Type IV) werden gar nicht mehr hergestellt. Hier kann man nur noch alte kaufen. Schade.
    • Fallt am Anfang nicht auf den Metal-Hype auf. ich mein ein Tape für 60€ … mit dem richtigen Deck und so bestimmt das beste was man bekommen kann, aber für die Kohle? Dann lieber die hier…
    • siehe bspw. hier
  • sche*** auf NOS, schonmal bespielte tuns auch. Die findet man mit etwas suchen gerne auf Flohmärkten, bei Flodders, Kleinanzeigen, Ebay oder auf dem Boden. mal die Kumpels fragen, mancher hat noch seine alte Sammlung eingelagert. Auch hier wieder den Preis einer Maxell im Hinterkopf haben, aber vielfach kriegt man ein Schnäppchen für den schmalen Taler. Wenn ihr die Dinger in einem laden findet oder auf dem Dachboden: mal das band anschauen. ist es verknittert, wellig, krümelig? Die Kassette und das Inlay ausgebleicht? Verzogen? Dann Finger weg. bei so ganz billigen und alten Sachen (Stichwort bspw. Orwo) auch Finger weg. Oder für die Datasette nutzen.
    • man kann hier gute Schnäppchen machen. Siehe bspw. hier oder letztens 6 Type I bei Flodders für 2€. Die waren OK
    • Nicht empfehlen würde ich, bespielte (benjamin Töröö) zu überspielen. Zum einen sind die Laufzeiten komisch und zum anderen sind die Bänder meisst auch nicht so toll.
  • Wo wir dabei sind. ich habe ein paar bespielte Tapes (vornehmlich Klassik, deutsche Grammofon) mal gekauft für einen schmalen Taler. Ich war echt überrascht wie gut diese klangen, vor allen wenn die auf Type II mit Dolby ordentlich aufgenommen waren. Also ruhig mal zugreifen wenn was interessantes dabei ist.

Egal wie, man kann bei der Suche und den kauf von Tapes Spaß haben. Ja klar, wenn man die Kohle hat, kauft man sich halt das augenscheinlich beste, aber ist es das dann Wert? Ich habe mehr Spaß, ein schönes Deck für einen guten Preis zu bekommen, oder es selbst wieder zu reparieren, eine Kassette zu finden und dann eine gute Aufnahme zu machen (oder zu merken, dass das Band schlecht ist)… Ich meine darum geht es (mir) ja bei dem ganzen. Und wenn man dann so im Stöbern bei Flodders ist, findet man ja auch mal was ganz anderes…

Look and Feel

OK. das ist eher so psychologisch und mag seltsam erscheinen, aber ist es nicht irgendwie Cool, mit seinem Walkman ganz Hip durch die Stadt zu spazieren und dem leicht rauschenden, leiernden Mixtape zu hören? Meins ist das nicht, ganz ehrlich …

Hier geht es eher um das „Medium“ Kassette, das drumherum, also ähnlich wie es gerne bei Vinyl dargestellt wird. Man muss sich mehr mit der Musk beschäftigen. Eben mal so einfach einen Song skippen, oder Stream wechseln ist halt aufwendiger. Einfach mal hinsetzen und laufen lassen, ohne zappenden Skip-Finger. Oder wenn dann, froh sein, wenn man ein Deck mit AMS hat (und dann noch 4s Stille zwischen den Tracks)

Es geht bei der Aufnahme los und setzt sich bei Wiedergabe, Aufbewahrung und Umgang fort. Die Aufnahme habe ich ja oben schon abgehandelt, also hier ein paar Gedanken zur Wiedergabe

Wenn ich möchte, stelle ich mir mit wenigen Klicks eine Playlist von den Dire Straits im HTPC zusammen und lasse mich den ganzen Abend berieseln. oder ich stehe alle 45 Minuten auf, drehe das band (es sei denn ich habe ein Autoreverse-Deck) oder wechsle die Kassette. Ich suche die Tapes raus, stelle fest, das ein Band mistig klingt, höre mir auch mal einen Titel an der mir nicht so gut gefällt, weil skippen und so ist ja eher nüscht.

Kassetteneinzug. sehr schick. Auto-reverse ebenso. bis zum nächsten Service

Ein Aspekt, gerade zum digitalen, den auch Vinyl-Liebhaber kennen: jedes Abspielen hört sich irgendwie und gefühlt anders an. Digital ist digital, wenn ich es 5x auf der gleichen Kette wiedergebe höre ich 5x genau das selbe (mal äussere Störfaktoren aussen vor gelassen). Analog ist „unperfekt“ – eine Platte knistert mal da und dort mehr oder weniger, eine Kassette kann sich abnutzen oder anders klingen beim abspielen (ok jetzt hinkt der vergleich mit der gleichen Kette) auf anderen Decks, andere Bänder hören sich bei der gleichen Aufnahme anders an. Tapes haben einen „Sound“. genauso wie man früher gefühlt mehr auf den Sound einer Komponente Wert gelegt hat. Ich meine mit Sound aber nicht ob besonders laut oder bassig. Sondern eher die Charakteristika. Ein Band auf dem Nak abgespielt klingt anders als auf dem Kenwood, ein anderes Band klingt auf dem Sony besser als auf den NAK. Ein Type I hat mehr Wärme, ein Type II mehr Höhen (Auflösung). Fahre ich die Aufnahme „hot“ oder eher konservativ ausgepegelt, harmoniert ein Deck überhaupt mit einem Band?

Last but not least: das haptische der Kassette ist etwas, was man im digitalen wieder zu schätzen weiss. Da auf dem Plastikdings ist Musik drauf. ja, auf meiner 64GB SD Card ist auch Musik drauf, aber? genau, Aber. Es gibt schön anzusehendes Kassetten, andere wirken wieder billig, manche massiv wie ein kleiner Tank, 70er Retro oder grellbunt aus den 80er? Und dann darf ich auch noch die kleinen Aufkleber drauf machen und bekritzeln. Ja, da ist wirklich Dire Straits Live @ the BBC. ich mein das hab ich ja auch draufgeschrieben. Mach das mal mit deiner SD-Card

Oh, ganz vergessen: man muss die Dinger ja auch irgendwo aufbewahren. Erinnert sich noch wer an die Kassettenkarrussels oder -regale? Wie sonst hat man seine vollständige TKKG-Sammlung denn präsentiert? ja, meine Musiksammlung ist (derzeit) etwas über 1TB. was sagt das aus? eigentlich nichts. Ich kann das weder meinen Kumpels zeigen, noch in die Hand nehmen. meine Platten, CDs und Kassetten aber. Ich habe Albumart in den Tracks gespeichert, aber sehe es dann als kleines Bildchen auf dem Display. Plattencover? kann ich mir sogar an die Wand hängen